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Die Wahrheit siegt, aber sie kann nur siegen, wenn sie gesagt wird. (Johann Hus 1369-1415)

Jerusalem

Meist findet man nur betretenes Schweigen, wenn es um das 500jährige Gedenken der Reformation geht. Wenn sich dann doch irgendwer bemüßigt fühlt, etwas sagen zu müssen, gibt es kaum mehr als leere, nichts sagende Worthülsen – abgesehen von einigen dämlichen Aktionismen (wie etwa von „Wir sind Kirche“). Ein erweiterter Geschichtsunterricht, wie letztens auf NZZ ist schon sehr selten. Von einer ehrlichen Analyse oder gar von einem Versuch einer Aufarbeitung der Geschichte, wagt man nicht einmal zu träumen. Uns würden sehr böse Dinge einfallen, warum das so ist, und wir wollen uns daher hier nicht darin verlieren.

Auf der einen Seite sind es die Götzendiener, die irgendetwas wegsperren und dann um das, wie um ein goldenes Kalb herum tanzen. Sei es nun ein Meteorit, den man in einer Kaaba versteckt, ein siebenarmiger Leuchter, ein heiliges Buch oder was auch immer in einem Tempel, in einer Moschee, einer Kathedrale oder einem Dom. Es findet sich fast nichts, was man nicht als verehrungswürdig definiert bis hin zu Kornkreisen, Orgonakkumulatoren und anderem, wobei die Echtheit oder Wahrhaftigkeit hier nicht das Thema ist. Man bekämpft sich gegenseitig oft bis aufs Blut, da der andere Götze nur ein Dämon sein kann. Nebenbei geht es ja nicht nur um Marktanteile für seinen eigenen Götzen, sondern auch um für den Unterhalt des Tempeldienstes zu sorgen. Der eingesperrte Gott wird daher auch nur gegen Bezahlung frei gelassen und Ablasshandel ist nur eine von vielen Formen eines oft lukrativen Geschäftes neben Einfluss und Macht, wie es etwa die Pilgerströme nach Mekka und Medina auch sind. Nicht, dass wir reale göttliche Gnadenströme leugnen würden, wir prangern aber an, dass der, der dies alles erschafft, meist nicht erkannt wird, und daher alles zu reinem Theater verkommt1.

Auf der anderen Seite gibt es die Pragmatischen, die nur einen nützlichen - dem Menschen dienenden - Gott akzeptieren wollen. Einem Allmächtigen dienen oder gar Opfer bringen zu müssen, kommt für solche einem Hohn gleich. Der alles bestimmende Gott urteilt wie bei Martin Luther mit seiner Gnade oder Ungnade, ob jemand gerettet wird oder nicht. Gott bleibt dabei etwas Entrücktes und Unantastbares. In so einem Dunstkreis sprießen die wunderlichsten Ideologien und Weltanschauungen. Vom Kapitalismus, Liberalismus, Merkantilismus, Humanismus, Sozialismus, Darwinismus bis hin zum gottlosen Kommunismus gibt es Theorien und Interpretationsversuche für die ganze oder nur Teile der Welt ohne Zahl. Die Spur in der Geschichte ist blutiger, ausbeuterischer und zerstörerischer als alles, was die Menschheit bisher erlebt hat. Sei es der Raubbau an der Flora und Fauna unserer Erde und an deren Bodenschätzen, oder seien es die noch nie dagewesenen kriegerischen und ökologischen Zerstörungen und Völkermorde. Es sind Superlative, die zwingend in einem gigantischen Kollaps oder Supergau enden müssen, wo nicht nur die gesamte Menschheit, sondern auch der gesamte Planet auf dem Spiel steht. Man muss mit vielen Realitätsverweigerungen leben, wenn man da noch versucht, etwa die Aufklärung, als nur eine von diesen Auswüchsen, schön zu reden. Der ganze Tamtam und das schöne Brimborium ist eine riesige Mogelpackung, in der sich die Ideen und Ideologien oft häufiger ändern als die weibliche Mode2.

Wie schon im Newsletter-Feb2017 aufgezeigt, kann die Reformation nicht ohne krasse Geschichtsverfälschungen auf eine Person oder eine enge Zeitspanne eingeschränkt werden. Es spricht viel für bzw. gegen eine Nachkommenschaft, welche Personen und Ereignisse sie daher in Errinnerung hält. Letztlich geht es ja darum, was vorbildlich ist und nachgeahmt werden soll, um das ewige Leben zu erlangen (es geht ja um Religion). Martin Luther ist/war jedenfalls kein göttliches Leuchtfeuer, und Gründe, ihn statt einen von den vielen anderen, die Gott weit näher waren, derart zu beachten, gibt es keine. Als deutscher Bibelübersetzer wurde er durch das Werk geadelt und nicht durch die Tat, bei der er seine eigenen Vorstellungen wohl nicht immer ganz verbarg, und biblische Inhalte gegen den genauen und richtigen Wortlaut übersetzte (es gab auch damals schon einen Genitiv). Auch Mohammed bediente sich noch älterer Schriften und wir sehen in der Entstehung des Protestantismus viele Parallelen zur Entstehung des Islams. Es ist dies eine Geschichte worüber Gott selbst schon Klagen gegen Jerusalem führte und die heute genauso berechtigt sind wie damals. Dieses und noch vieles mehr sollten wir - in Zeiten größerer Umbrüche und neuerlicher Versuche Gottes sein Volk zu retten - sehen, spüren, begreifen und verinnerlichen.

1siehe hier einen früheren Beitrag Bald Kletterverbot auf australischem Ayers Rock. Nachzutragen wäre, dass ein solches Verbot nun mit 2019 kommen soll.

2Das bisherige große Entgegenkommen Gotttes für diese Strömung, ist wahrscheinlich nur damit zu erklären, dass alle anderen Alternativen noch weniger im Sinne Gottes waren oder sind. Gott steht aber zunehmend unter Zugzwang und vieles deutet darauf hin, dass hier ein Kassasturz zum Schutze der Erde und aller darauf wohnenden Wesen schon eingeleitet ist.

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Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und steinigst, die zu dir gesandt sind!
Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt!

Mt 23,37